Kinder vegetarisch ernähren?

Ich gebe zu, ein heikles Thema. Das merke ich immer wieder, wenn ich mich mit anderen Mamas unterhalte. Und das ist ein Thema das mich sehr interessiert und ich deshalb auch oft andere Mütter nach ihren (Ess) Gewohnheiten frage.

Ich lebe aus Überzeugung vegetarisch. Schon seit vielen Jahren. Einen kurzen Einbruch gab es in der Schwangerschaft mit dem Herbstmädchen. Phasenweise lebe sogar vegan. Aber aktuell gibt es hier schon Milchprodukte wie Käse oder Butter. Der Liebste isst Fleisch, allerdings nicht hier zuhause. Ich möchte es nicht zubereiten. Wenn wir aber bei den Schwiegereltern essen, dann gibt es dort hin und wieder Fleisch.

Ich habe viele Dokus gesehen und auch Bücher gelesen, die mich schlussendlich ganz davon überzeugt haben, kein Fleisch zu essen. Und vielleicht kommt auch wieder die Zeit in der ich den tierischen Produkten ganz entsage. Oder nur unsere eigenen tierischen Produkte esse.

Aber wie machen wir das nun mit unseren Kindern? Bis vor wenigen Wochen lebte auch das Herbstmädchen vegetarisch. Mir war das wichtig und wo es ging haben wir “geflunkert” und einfach gesagt “was der Papa/Oma/Opa etc. isst, ist scharf”. Das hat sie ganz lange so akzeptiert. Im Kinderhaus wird zu 95% vegetarisch gekocht und sollte es doch einmal etwas mit Fleisch geben, gab es immer eine vegetarische Alternative für das Herbstmädchen. Aber… Sie wird ja größer und vor ein paar Wochen wollte sie gerne Fleisch und Wurst probieren. Ich habe ihr schon öfter (kindgerecht wie ich hoffe) erklärt woher das Fleisch kommt. Das dafür ein Tier sterben muss. Sie wollte trotzdem probieren und ich habe eingewilligt.

DENN – ich möchte meine Überzeugung nicht über die Wünsche meiner Kinder stellen. Auch wenn ich es nicht gerne sehe, lasse ich meinen Kindern die freie Wahl das zu essen was sie möchten.

Was es bedeutet dass ein Tier sterben muss, damit man es essen kann versteht sie sicherlich noch nicht hinreichend. Auch dazu gibt es Kinderbücher, aber ich bin der Überzeugung dass so eine kleine Kinderseele das noch nicht verarbeiten kann. Deshalb lasse ich es bei der bisherigen Aufklärung. Wenn sie älter ist, werde ich das Thema noch einmal aufgreifen und es ihr weiterhin frei lassen ob sie Fleisch essen möchte.

Der Maikäfer möchte natürlich genau das probieren was das Herbstmädchen auch isst. Fleisch an sich schmeckt beiden gar nicht so gut. Fisch findet das Herbstmädchen superlecker und kürzlich war sie mit dem Opa unterwegs da gab es Wurstsemmeln, das fand sie mal richtig klasse. Oh man…

Wir ernähren uns ansonsten vollwertig, mit viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Smoothies, Beeren und was ansonsten noch “echt” und “unverfälscht” ist.

Ich bin gespannt wohin uns dieser Weg noch führt und freue mich von euren Erfahrungen diesbezüglich zu lesen.

10 thoughts on “Kinder vegetarisch ernähren?”

  1. Eva
     ·  Antworten

    Mein Mann und ich sind beide seit Teenagerjahren Vegetarier und haben auch unsere drei (jetzt 15, 12 und 9) vegetarisch ernährt. Zwei von ihnen haben in jüngeren Jahren auch mal Fleisch probiert, aber selten, und sind schnell selbst zu der Überzeugung gekommen, Vegetarier zu bleiben. Wir haben die Sache auch immer ganz entspannt gesehen und einfach kein großes Ding daraus gemacht. Von der Familie und anderen wohlmeinenden Mitmenschen gab es schon so manchen Kommentar, aber mittlerweile haben sie es aufgegeben. Wir legen Wert auf eine ausgewogene vegetarische Ernährung und dabei bekommt jeder schon, was er braucht. Ich finde es schön, dass Du da auch so entspannt mit umgehst (auch wenn man sich innerlich ja schon manchmal etwas gruselt, ne?).

  2. Helena
     ·  Antworten

    Ich finde deine Einstellung so okay. Man muss die Kinder probieren lassen, auch wenn man selbst eine andere Einstellung diesbezüglich hat. Ich bin davon überzeugt, dass sie sehr viel von unseren Lebenseinstellungen auf ihre ganz eigene Art mit ins Erwachsenenalter nehmen.
    Mein Mittlerer (8) bekommt seine Wochenration Wurst und die teilt er sich gut ein. Woher das Fleisch kommt wissen alle unsere Kinder sehr gut. Beim Schlachten der Hühner sind sie oft sogar dabei – freiwillig. Bei den Ziegen aber nicht. Mein Mann und der Mittlere wollen nun die nächste Wurst zusammen herstellen. Beide freuen sich auf die Vater-Sohn- Aktion :).

    Liebe Grüße
    Helena

  3. Susanne
     ·  Antworten

    Deine Bedenken bezüglich des Fleischkonsums verstehe ich gut. Allerdings gehst Du in Deinem post nicht auf die ernährungsphysiologische Bedeutung von Fleisch und tierischen Produkten in der Ernährung von Kindern ein. Kinder bis zum 14. Lebensjahr brauchen eine besonders ausgewogene Ernährung da ihr Körper enorme Entwicklungsprozesse leistet. Essen sie kein Fleisch muss eine Ernährungsergänzung mit Vitamin B12 in Erwägung gezogen werden und auf eine ausreichende Eiweissversorgung in Form von Hülsenfrüchten und Milchprodukten geachtet werden.
    Wir selbst essen nur wenig Fleisch und wenn, dann nur zuhause, wo wir wissen wo das Fleisch herkommt. Auf Wurst verzichten wir inzwischen ganz, weil diese oft einfach nur minderwertig produziert wird.

    Dein Blog ist übrigens sehr inspirierend und ich mag ihn einfach gerne!
    LG Susanne

    • sabrina
       ·  Antworten

      Hallo Susanne, auch da streiten sich die Geister. Wir ernähren unsere Kinder sehr ausgewogen und supplementieren ggfs. was fehlt.

    • Helena
       ·  Antworten

      In der ausgewogenen vegetarischen Kost ist das Supplementieren von Vitaminpräparaten nicht nötig. Und den angedeuteten B12 – Mangel haben Omnivore ebenso häufig (weil weniger über die eigene Ernährungweise nachgedacht wird).
      Als Veganer macht es Sinn (ich supplementiere 3x die Woche ein B12-Präparat). Aber da wird derzeit auch ein ziemlicher Hype draus gemacht.

  4. Sarah
     ·  Antworten

    Hallo,
    Wir Eltern essen sehr wenig Fleisch, eigentlich nie zu Hause. Meine Kinder essen gar kein Fleisch, weil es nicht schmeckt. also ich finde beides in Ordnung. Ich habe meiner Großen auch gesagt, dass die Tiere dafür sterben müssen wenn wir sie essen. In unserem Umfeld ist es auch ganz gemischt, nur Fisch, gar kein Fleisch und sehr extremer Fleischkonsum- alles dabei. Ich will meinen Kindern trotzdem die freie Wahl lassen und versuche Ihnen nie meine Meinung aufzuzwingen.

  5. Natascha Klaucke
     ·  Antworten

    Hey, ich bin der Meinung, dass es in einer bedürfnisorientierten Erziehung authentisch ist, die Kinder Fleisch probieren zu lassen. Eine kindgerechte Aufklärung reicht da völlig aus. – so halten wir es bei unseren 4 Kindern .
    LG

  6. hummelchen84
     ·  Antworten

    Bei uns ist es ziemlich genau so, nur dass der Große mittlerweile sehr gut verstehen kann (vor allem seit unser Kater gestorben ist), was es mit toten Tieren so auf sich hat. Zeitweise ist er regelrecht “besessen” von dem Thema, hinterfragt alles und möchte von allen wissen ob sie Fleisch essen oder nicht. Wenn er einmal einen Vegetarier findet saugt er diese Bekanntschaft so auf, dass er sofort auf lange weiß wer das war und in welchem Kontext wir den tragen (eine meiner Arbeitskolleginnen zb).

    Manchmal ist es so, dass er unbedingt Wurst probieren will (nach Fleisch hat er noch nie gefragt). Ich sage ihm dann, dass ich das nicht einkaufen werde, er aber auswärts probieren darf was er möchte. Und manchmal tut er das, und ist begeistert. Meistens findet er es später aber dann doch irgendwie merkwürdig, wenn auch sonderbar reizvoll. Allein aus diesem Grund werd ichs ihm nie verbieten (nicht dass ich das bei älteren Kindern könnte), aber ich will keine verbotene Frucht inszenieren.

    Manchmal hat er aber auch Phasen wo er auch auswärts komplett alles verweigert was mit Fleisch oder Wurst zu tun hat, er war jetzt bereits auf 2 Kindergeburtstagen wo er einmal komplett Chicken Nuggets verweigerte und am anderen Pizza weil da Salami drauf war.

    Es ist wie es ist, und sicher Teil seiner persönlichen Entwicklung. Ich bin gespannt wo sie hinführt, und was auch immer das Ergebnis ist: ich hoffe ihm ein paar Werte und nötiges Wissen mitgeben zu können, damit er nicht halbblind herumläuft wie so viele andere.

    Danke für den Text! <3

    • sabrina
       ·  Antworten

      Das klingt nach einem tollen Kerlchen!

  7. ann-ka
     ·  Antworten

    liebste sabrina,
    nun endlich raffe ich mich wieder auf nicht nur still mitzulesen, sondern auch etwas zu schreiben.
    ich verfolge deinen blog jetzt schon seit deiner ersten schwangerschaft. 😉
    ich freue mich über jeden neuen post und war sehr, sehr erfreut das es hier wieder weitergeht.
    ich ernähre mich selber vegetarisch u zu hause überwiegend vegan. meine kinder sind alles-esser, wie sie von sich sagen. mit meiner großen tochter (7 Jahre) spreche ich viel über den fleisch- und generell tierischen konsum. sie versteht vieles, fragt u ist interessiert. sie mag fast kein fleisch, sie ist jedoch ein sehr selbstbestimmtes kind u ich sehe dass es ihr wichtig ist frei zu entscheiden. sie kann selbstständig wählen. meistens greift sie gar nicht zu fleisch o fisch. ebenso ihre kleine schwester (4 jahre). ich lebe von dem papa der kinder getrennt, im wöchentlichen wechselmodell. er isst fleisch u hat komplett andere ansichten als ich. das war und ist ein langer prozess für mich gewesen, annhemen, losslassen, nicht immer einfach.
    zu hause koche ich komplett fleischlos, käse u ei gibt es nur sehr selten. milch eigentlich nie. das ist ein guter kompromiss. wenn unsere beiden mitbewohnerinnen mal kochen, dürfen die kinder trotz fleisch probieren.
    ich durfte meinen eigenen weg gehen u bin die einzige in meiner familie die sich fleischlos und viel vegan ernährt. welchen weg auch immer meine beiden gehen, ich lasse sie ziehen. erfahrungen machen, entdecken, neu ordnen… sie haben noch einen langen weg vor sich u den werden sie wundervoll beschreiten, ob mit oder ohne gelegentlichen fleischkonsum. mit einer mama an ihrer seite die ihre ansichten u gefühle gerne teilt, aber ohne erhobenen zeigefinger u ja, ich bin gespannt ob sie im jugendalter auch eine übertriebene mc donaldsphase haben werden. 🙁 so wie es bei mir war. es bleibt spannend.
    liebst, annka

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